DKP Krefeld/Viersen - CASTOR-Infos

Wer Atomtransport sagt, muß auch Belagerungszustand sagen
Gebaut wird er bei der Fa. Siempelkamp in Krefeld, der CASTOR, die jedoch auch in anderen Bereichen der Atomindustrie eine Rolle spielt. Z.B. stellte sie auch folgendes her:
Wird der CASTOR auch in Krfeld gebaut, gefüllt mit gefährlichem Atommüll wird er in Süddeutschland oder anderswo und dann geht die Reise quer durch das Land bis nach Ahaus, Gorleben oder Greifswald. Das ist nicht möglich oder diese Gebiete quasi in Belagerungszustand zu versetzen. Das hat auch der letzte Castor-Transport nach Ahaus wieder drastisch bewiesen. Auch die vielen Widerstandsaktionen gegen den letzten Castor-Transport waren in dem Sinne erfolgreich, daß klar wurde: Es gibt keine Castorfahrten mehr die still und heimlich durchgeführt werden, es gibt breiter werdenden Widerstand. Und jeder Castor-Transport wird noch teurer als der letzte. Das wird auch weiterhin so sein. Denn der nächste Castor kommt bestimmt, wahrscheinlich im Sommer nach Greifswald. Auch dort gibt es eine Initiative die sich darauf vorbereitet und einen Aufruf verbreitet, den wir hier dokumentieren.
Zur weiteren Information über den CASTOR fügen wir das folgende Experteninterview an. Noch mehr Informationen sind auf folgenden Internet-Seiten zu finden:
Schäbische Post vom 07.02.1997 s3
Behälter, in denen Brennstoff aus Atomkraftwerken transportiert wird, halten einem schweren Zugunglück nicht stand. Davon ist Professor Elmar Schlich überzeugt. Der Ingenieur, seit vier Jahren an der Universität Gießen tätig, war von 1977 bis 1983 bei den Hanauer Firmen Nukem und Transnuklear als Projektleiter für die Entwicklung von Behältern für Kernmaterial verantwortlich. Bei dem glimpflich abgelaufenen Unfall in Lothringen waren Excellox-Transportbehälter eingesetzt, deren Kunststoff-Dichtungen die radioaktive Strahlung nur wenige Tage überstehen. Wir sprachen mit Professor Schlich.
Sind die Excellox- oder Castorbehälter sicher genug für den Transport auf der Schiene? Elmar Schlich: Nach meiner Uberzeugung nicht. Das begründe ich mit den mangelhaften Prüfungen für die Zulassung der Behälter. Der Castor wird für die Transporte nach Frankreich und Großbritannien nicht verwendet. An der Zulassung der Excellox sind deutsche Behörden nicht beteiligt.
Es heißt die Behälter seien feuerfest, wasserdicht und halten einem Sturz aus neun Meter Höhe stand. Wie realistisch sind solche Tests? Schlich: Der Fall aus neun Metern Höhe entspricht einer Aufprallgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde. Die Züge fahren mit Tempo 80 bis l00. Es kann auch sein, daß eine Brücke benutzt wird, die 20, 25 Meter oder höher ist - je nach Fahrstrecke. Ein realistischer Unfallablauf wird überhaupt nicht geprüft. Die USA haben hingegen reagiert: Sie verlangen, daß Transportbehälter für hochradioaktive Stoffe Aufprallgeschwindigkeiten von 200 km/h aushalten müssen.
Der Feuertest für den Castor 800 Grad Celsius bei 30 Minuten ist in der Praxis längst überholt.
Das wissen wir von schrecklichen Unfällen entlang der Bahnstrecken. Beim Unglück in Stein am Rhein - dort entgleiste ein Zug mit Benzinwaggons - hat es zehn Stunden gebrannt. 1994 in Zürich, Entgleisung, sechs Stunden Brand. Auch die Temperaturen lagen zum Teil höher. In solchen Fällen würden die Behälter undicht.
Sie sagten die USA hätten reagiert. Gibt es bessere Behälter? Schlich: Ja, für Plutonium in den USA.
Und wie läßt sich das Transportrisiko minimieren? Schlich: Im Moment besteht ja kein Bedarf für Transporte, weil in den Kraftwerken noch genügend Lagerkapazitäten vorhanden sind. Die Betreiber verfrachten die abgebrannten Brennelemente deshalb, weil sie mit den Wiederaufarbeitern in Sellafield und La Hague Verträge abgeschlossen haben und sich daran gebunden fühlen. Es ist sogar möglich daß Brennelemente nach Frankreich oder Großbritannien transportiert und in fünf Jahren unverarbeitet wieder nach Deutschland zurückgebracht werden. Das ist wirklich ein Unsinn.
Läßt sich ein Atommüll-Behälter sicherer per Schiff transportieren? Schlich: Im Prinzip ist das nicht sicherer. Aber ein Aspekt stimmt natürlich: Bahnstrecken führen durch dicht besiedeltes Gebiet; auf See ist das nicht der Fall. Bei einem Schiffsunglück mit einem Tanker würde sich das strahlende Material im Meer verteilen. Auch das wäre nicht hinzunehmen. Einen Königsweg gibt es nicht.
Welche Folgen hätte ein Unfall, wenn ein Behälter leckschlägt? Schlich: Das hängt vom Inhalt ab. Enthält ein Behälter abgebrannten Brennstoff, der fünf bis sieben Jahre alt ist, dann ist davon auszugehen, daß die flüchtigen Nuklide - Cäsium, Jod, Tritium entweichen. Das Öko-Institut hat einmal ausgerechnet: Wenn nur ein Prozent des Cäsiums austritt, wäre eine Fläche von 2500 Quadratkilometern kontaminiert. Das ist ein Kreis von 50 Kilometern Durchmesser. Die Gesellschaft für Reaktorsicherheit schätzt hingegen daß nur 0,003 Prozent des Materials entweicht. Dann wäre ein Gebiet von drei Kilometern rund um den Unfallort belastet. Kontaminiert heißt, daß sie dort 50 Jahre lang keine Landwirtschaft mehr betreiben können und die Bevölkerung auf Dauer umgesiedelt werden müßte.
Das Interview haben wir den Internet-Seiten der BI Gorleben entnommen.