DKP Krefeld/Viersen - Linker Niederrhein Nr. 33


Krefeld gestern

Das Stahlwerk

Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart richtig beurteilen. Das trifft auch auf die Geschichte des Krefelder Stahlwerks zu (heute Tyssen-Stahl), das im letzten Weltkrieg ein wichtiger Rüstungsbetrieb war. Das war auch kein Wunder, schließlich war mit Walter Rohland 1933 ein Mann Betriebsleiter bei DEW in Krefeld, der später als Panzer-Rohland berühmt wurde. Er übernahm die Koordination der Panzer-Produktion der Nazis und war von 1940 bis 1943 Vorsitzender des "Panzer-Ausschuß des Reichsministeriums für Bewaffnung und Munition". Die Nazis verliehen ihm pompös das Ritterkreuz zum Kriegsverdienstkreuz.
Im Krefelder Edelstahlwerk begann man früh mit der Kriegsproduktion. Bereits 1934 schrieb die illegale KPD-Zeitung FREIHEIT: ‘‘In Düsseldorf, Krefeld, Wuppertal, Remscheid-Solingen und Hagen macht die Industrie aus der Vorbereitung des imperialistischen Massenmordes ihre blutigen Profite. Die Produktion geht weit über den Rahmen der im Kriegsgerätegesetz erlaubten Rüstungen hinaus. ... Stahlwerk, Krefeld, ist eifrig mit der Herstellung besonders zäher und einschlagssicherer Stahlpanzerplatten beschäftigt. Dort und in dem jetzt aufgekauften Stahlwerk Becker in Willich werden ferner schwere Tanks gebaut. ... Das Edelstahlwerk Remscheid fabriziert Kurbelwellen für Tanks, die in Krefeld eingebaut werden.’’
1938 wurde das Krefelder Edelstahlwerk sogar zum "nationalsozialistischen Musterbetrieb" ernannt. Voraussetzung für diese verhältnismäßig seltene Auszeichnung war, daß in dem Betrieb Nazi-Gedankengut besonders gepflegt wurde. Lobend wurde hervorgehoben, daß die Edelstahl-Werke seit 1933 bevorzugt SA-Leute einstellten.
Während des Krieges wurden die Arbeitskräfte knapp, weil die deutschen Männer als Soldaten gebraucht wurden. Ab 1940 beschäftigten die Edelstahlwerke deshalb ausländische Zwangsarbeiter, sowohl aus den westlichen Nachbarländern, aber auch Männer - und vor allem Frauen - aus der Sowjetunion. Die Krefelder Edelstahlwerke waren eines der Unternehmen die erste Erfahrungen mit diesen Arbeitskräften sammelten und sie in einem Bericht an die Reichsvereinigung Eisen weitergaben. Zitat aus dem Bericht: ‘‘Der Ostarbeiter ist bei straffer, aber unbedingt gerechter Behandlung eine durchaus gute Arbeitskraft.’’
Die Ausländer waren überwiegend in einem großen Lager auf dem Werksgelände untergebracht. Über 1200 Menschen lebten hier hinter Stacheldraht wie Gefangene. Ihre einzige Aufgabe war es, für den Krieg der Nazis Waffen zu produzieren. Wenn sie sich weigerten, kamen sie in ein Arbeitserziehungslager, wo sie noch länger arbeiten mußten, noch weniger zu essen bekamen und noch mehr schikaniert wurden.
Die blutigen Folgen der Waffenproduktion hatte während des Krieges auch die Krefelder Bevölkerung zu tragen. Denn wegen der Rüstungsproduktion des Stahlwerkes wurde Krefeld ein bevorzugtes englisches Bombenziel. In der englischen Luftwaffe gab es einen geheimen ‘‘Bomber`s Baedeker’’ der über wichtige strategische Ziele informierte. Zu Krefeld heißt es dort: ‘‘Die Hauptbedeutung Krefelds liegt im großen Anteil an der Spezialstahlerzeugung, die hier im ausgedehnten Komplex der Deutschen Edelstahlwerke AG konzentriert ist. Das ist einer der führenden deutschen Hersteller von Spezialstählen, Drehstahlen, Flugzeugstahl, Panzerplatten und anderer Waren von Bedeutung für die Kriegsproduktion.’’ Entsprechend wurde DEW Krefeld mit der Priorität ‘‘1+’’ eingestuft. Das war die höchste Stufe die vergeben werden konnte.


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