Hier einige Texte zur Geschichte der linken Bewegung in Krefeld die wir dem "Linken Niederrhein" entnahmen.
Die "Freiheit" war vor 1933 die KPD-Tageszeitung für Rheinland und Westfalen
Manchmal werden wir gefragt: "Was würdet ihr
denn in Rat schon anders machen?" Es gibt es
praktisches Beispiel dafür, wie man es besser machen kann. 1929 hatte
die KPD bei der
Stadtratswahl 5965 Stimmen erhalten und gewann damit fünf Sitze. Was
sie danach im Krefelder
Rat gemacht hat, kann jeder an den Anträgen ablesen, die von der KPD
in den Jahren 1930 bis
1933 gestellt wurden:
- Zusätzliche Unterstützung für die Erwerbslosen, die als
Wohlfahrtsempfänger Geld von der
Stadt bekamen.
- Entschließung gegen den Young-Plan. (Reparationszahlungen infolge
des Ersten Weltkrieges.)
- Weiterführung der Kamm-Fabrik.
- Beibehaltung der bisherigen Mietsätze in der Hindenburgsiedlung.
- Schmutzzulage für die Pflichtarbeiter im Hafen.
- Austeilung von kostenlosem Mittagessen für ausgesteuerte Erwerbslose.
- Eingabe zum Erlaß von Notverordnungen.
- Keine Lohnsenkung für Gemeindearbeiter.
- Austritt der Stadt aus dem Arbeitgeberverband der rheinischen Gemeinden
und
Kommunalverbände.
- Verpflichtung der Arbeitgeber, die Bürgersteuer nicht vom Lohn einzubehalten.
- Kostenlose Überlassung von Sälen.
- Gegen die Entlassung aller Volksschullehrkräfte, Aufhebung der Zusammenlegung
von
Schulklassen, Nichtdurchführung der Biersteuererhöhung.
- Festsetzung der Mietpreise in der Hindenburgsiedlung.
- Aussetzung der Rückzahlungen an das Wohlfahrtsamt für gewährte
Sachleistungen.
- Befreiung aller Werktätigen von der Bürgersteuer.
- Bereitstellung von Kinderspielplätzen.
- Kostenlose Lieferung der Lehrmittel an Minderbemittelte.
- Wiederaufnahme der Schulspeisungen.
- Kostenlose Schulmilch für Kinder von Unterstützungsempfängern.
- Übernahme der Mietkosten für Unterstützungsempfänger
durch die Stadt, Aussetzung von
Exmittierungen. (= Wohnsräumungen)
- Ersatz der Pflichtarbeiten durch Arbeiten unter Tarifbedingungen.
- Kostenlose Lieferung von Kohlen und Kartoffeln an Unterstützungsempfänger.
Es ist diese eine Auflistung der Originalüberschriften der Anträge.
Aber auch hieran kann man
bereits erkennen, welche Politik die KPD damals im Rat vertrat, oder?
Der Ausgang der Parlamentswahlen in Spanien im Februar
1936 zerschlug die Hoffnung der
klerikal-faschistischen Reaktion, auf legalem Wege die Macht zurückzugewinnen.
Über das
sprunghafte Wachsen der revolutionären Arbeiterbewegung war sie auf
das äußerste beunruhigt.
Die Mitgliederzahl der Kommunistischen Partei Spaniens stieg von 20.000
im Februar auf rund
84.000 im Juli 1936. Gegen die demokratische Entscheidung des Volkes bereitete
die spanische
Rechte einen Militärputsch vor. Wie in Deutschland plante sie die
Errichtung einer faschistischen
Diktatur.
Am 18. Juli 1936 brach der faschistische Militärputsch aus. Kurz darauf
kam der Anführer des
Putsches, General Sanjurgo, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Ein Vertreter
der deutschen
Militärspionage in Spanien ließ daraufhin den von der Volksfront
verbannten Francisco Franco,
Militärkommandant auf den Kanarischen Inseln, nach Tetuan in Spanisch-Marokko
bringen.
Franco übernahm die Führung der faschistischen Meuterei. Deutsche
und italienische Flugzeuge
brachten Francos Truppen und Fremdenlegionäre von Marokko nach Südspanien.
Die
Kommunistische Partei Spaniens rief das Volk zur Verteidigung der Republik
auf; sie stellte sich
an die Spitze des Kampfes gegen Reaktion und Faschismus.
Die Franco-Putschisten erlitten schwere Niederlagen; drei Viertel des Landes
befanden sich in
den Händen der Volksfrontregierung. Der Aufstand wäre endgültig
zerschlagen worden, wenn er
nicht vom deutschen und vom italienischen Faschismus mit Waffen, Soldaten
und Material
unterstützt worden wäre. Auch die Sympathie mit dem um seine
Freiheit kämpfenden spanischen
Volkes wuchs in der ganzen Welt. Überall entstanden Hilfskomitees;
sie sammelten Geld,
Nahrung und Kleidungsstücke.
Im Oktober 1936 entstand in Albacete eine Zentralstelle für die Aufstellung
von
Freiwilligeneinheiten. Mehr als 30.000 Kommunisten, Sozialdemokraten und
andere
Antifaschisten aus 53 Ländern kamen der spanischen Republik zu Hilfe.
Es entstanden die
Internationalen Brigaden. Ihnen gehörten in den Jahren von 1936 bis
1939 fast 5000
Antifaschisten aus Deutschland an, von denen etwa 3000 ihr Leben ließen.
Aus Krefeld kam u.a.
die Familie des Kommunisten Peter Jans. Der Vater Jans ging als erster
1936 nach Spanien. Ihm
folgte unter schwierigsten Bedingungen seine Familie. Die Söhne Willi
17jährig und Hans
22jährig, schlossen sich sofort der Internationalen Brigade (11. Brigade)
an. Auch die Mutter
widmete sich der Arbeit in Spanien. Willi wurde verwundet und ging, kaum
ausgeheilt, erneut an
die Front. Beim Abschluß der Kämpfe im Februar 1939, ging er
mit der 11. Brigade
International in die Internierung nach Frankreich. Über Gurs kam er
in das berüchtigte Straflager
Camp du Vernet indem er noch seinen 20. Geburtstag erleben konnte. Hier
schon, im Lager "B",
war seine schlecht verheilte Wunde und die Hunger- und Kälte-Perioden
für seinen jugendlichen
Körper von verheerender Wirkung. Eine Verschlimmerung mußte
eintreten als er der Gestapo
ausgeliefert wurde. Im KZ Dachau wurde er als Schwerkranker am 26.10.1943
liquidiert. Sein
Bruder Hans starb vor wenigen Jahren in Krefeld. Er war bis zum Schluß
in der DKP.
Kennen Sie die Billsteinstraße? Es ist eine kleine
Nebenstraße der Ritterstraße, die deshalb
etwas besonderes ist, weil sie nach einer Widerstandskämpferin und
Kommunistin benannt ist.
Wer war Paula Billstein? Geboren wurde sie am 2.10.1877 in Krefeld. In
ihrer Jugend wird sie
Mitglied der SPD. 1924 tritt sie zur KPD über und ist bis 1933 kommunistische
Stadtverordnete. Nach 1933 leistet sie antifaschistische Aufklärungsarbeit,
ihre Post wird
kontrolliert und abgefangen, aber die Gestapo kann ihr nichts nachweisen.
Im Dezember 1937 wird Paula Billstein in "Schutzhaft" genommen
und in das
Frauenkonzentrationslager Moringen überführt im Alter von 60
Jahren. Äußerer Anlaß: Paula
schieb ihrem Sohn Aurel, der wegen seiner Widerstandsarbeit 1934 zu sieben
Jahren Zuchthaus
verurteilt worden war, in das Zuchthaus Celle: "Du schreibst, daß
Du Dich damit abgefunden
hast, bis Sommer 1941 fernzubleiben. Mein lieber Aurel, es ist gut, wenn
Du auf dem
Standpunkt stehst, aber ich glaube es nicht. Wir können gar nicht
wissen, was für
Umstände wir noch erleben, denn wer hätte gedacht, daß
wir nach bald fünfjähriger
Machtübernahme jetzt auf der Fett- und Butterkarte sitzen, daß
wir Fleisch- und
Milchmangel haben, daß alles so knapp wird, besonders die Gegenstände
des täglichen
Bedarfs ... Deshalb kannst Du auch nicht sagen, daß Du Deine volle
Strafzeit absitzen
mußt, denn alles ist im Fluß und keiner kann wissen, was die
nächste Zukunft bringt."
Am 21.3.38 wird Paula Billstein in das neuerrichtete Frauen-KZ Lichtenburg
überführt. Ihr
Gesundheitszustand verschlechtert sich. Als Sterbende wird Paula am 3.7.38
aus dem KZ
Lichtenburg entlassen. Zwei Tage später ist sie tot. Die Trauerfeier
im Krefelder Krematorium
wird zu einer Demonstration der antifaschistischen Kräfte.
Das Edelstahlwerk
Zur DEW-Geschichte von 1933-45, aus Linker Niederrhein Nr. 33
Die Revolution 1848
Zur 1848er Revolution in Krefeld, aus Linker Niederrhein Nr. 34