Stolpersteine in Tönisvorst

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Tönisvorst, Dezember 2012

Breites Bündnis aktiv gegen alte und neue Nazis

v.l.n.r.: D. Wirth, M. Tripp, C. Tomschak, H.G. Schuh, Th. Gossen, P. Joppen, E. Mascini; Foto: A.Gallie Wie schon in St. Tönis sollen nun auch im Ortsteil Vorst am linken Niederrhein „Stolpersteine“ verlegt werden, teilten Vertreter des Bündnisses in einem Pressegespräch Mitte Dezember mit. Zur Erinnerung an die Verbrechen des Nazi-Regimes und dessen Opfer und zur Mahnung und Warnung vor neuen Nazis lassen demnächst ins Pflaster eingelassene Messingplatten heutige Passanten mit den Augen über Namen und Lebensdaten früherer jüdischer Mitbürger stolpern.

Über 20 Personen aus allen Bereichen des gesellschaftlichen und politischen Lebens tragen das Bündnis als Unterstützer mit, darunter Bürgermeister Thomas Goßen, Mitglieder verschiedener Parteien, des Heimatvereins, der Kolping-Familie und die beiden örtlichen Pfarrer. Der aktive Kern besteht aus dem Sprecher Peter Joppen (Landwirt und CDU-Kreistagsabgeordneter), Christel Tomschak (Zeitzeugin und DKP-Mitglied, deren Vater Johann Bossinger als Kommunist und Widerstandskämpfer von den Nazis inhaftiert wurde), Edith Mascini (ihr Großvater Maximilian wurde von den Nazis in Auschwitz ermordet), Heinz-Gerd Schuh (Heimatverein) und als Schriftführer Manfred Tripp (DKP). Das Michael-Ende-Gymnasium ist beteiligt durch eine AG von Schülern unter der Leitung ihres Lehrers David Wirth.

Auch wenn die Motivation, die weltanschaulichen Prägungen und die politischen Bindungen der Beteiligten durchaus unterschiedlich sind, so verliefen doch die Besprechungen des Initiativkreises konstruktiv und in gegenseitigem Respekt vor den Gründen und Argumenten der anderen. Gerade angesichts des Terrors des Nationalsozialistischen Untergrunds macht dieses Bündnis klar, dass die Abwehr faschistischer Entwicklungen nur in gemeinsamer Verantwortung aller demokratischen und humanistischen Kräfte, Christen, Kommunisten, Sozialisten, Gewerkschafter und bürgerliche, wirksam und erfolgreich sein kann.

Mit dem Kölner Künstler Gunther Demnig, der die Idee der Stolpersteine entwickelt hat, hat das Bündnis bereits Kontakt aufgenommen. Weil diese Idee derzeit an vielen Orten realisiert wird, muss das Bündnis mit einer Wartezeit von etwa 6 Monaten rechnen. Für die Montage der Stolpersteine hat das Bündnis bisher eine Liste mit 20 Namen ehemaliger jüdischer Mitbürger samt ihren Wohnanschriften, die bis zur endgültigen Verlegung noch ergänzt und geprüft werden soll.
Die heutigen Bewohner ehemals jüdischer Wohnhäuser wurden frühzeitig in die Diskussionen und Planungen einbezogen und über die grauenvollen Schicksale der früheren Bewohner informiert. Ihre Meinung zu der Aktion war einhellig zustimmend, sie befürworten die Stolpersteine.

Neben den Stolpersteinen soll im Vorster Ortskern auch eine Gedenktafel an die Opfer der menschenverachtenden Terrorherrschaft von 1933-1945 angebracht werden, die als Ort für regelmäßige Gedenkveranstaltungen dienen kann. Zur Finanzierung der Aktion wurde bei der Volksbank, BLZ 320 603 62, ein Spendenkonto unter der Nr. 1852124, Kto.Inh.: E. Mascini, Stichwort: Stolpersteine eingerichtet. Um Spenden wird gebeten.

Mit einer von der Schüler-AG des Michael-Ende-Gymnasiums gestalteten Informationsveranstaltung wird das Bündnis am 11. Januar 2013 um 19:30 Uhr im Kulturcafé „Papperlapapp“, Clevenstr. 15 in Vorst, interessierte Vorster Bürger über den Stand der Planungen informieren.