antifaschistischer Volkstrauertag in Viersen

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Viersen, 19.11.2012

Dieses Jahr richteten erstmals Viersener Antifaschisten eine Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag in Viersen aus. Volkstrauertag 2012 in ViersenDiese Veranstaltung wurde bewusst als Gegenveranstaltung zur traditionellen Veranstaltung am militaristischen Krieger“ehren“mal des bei den Nazis beliebten Bildhauers Willy Meller in Dülken durchgeführt. Deren Charakter war bislang weniger ein trauerndes Gedenken an die deutschen und ausländischen Opfer von Krieg und Faschismus als vielmehr eine „Helden“ehrung der tapferen „Verteidiger“ des „Vaterlandes“, Kriegsverherrlichung statt Erinnerung und Mahnung für den Frieden und gegen den Krieg. Hierzu wurden in unfassbarer politischer Instinktlosigkeit regelmäßig die Viersener Ratsvertreter einschließlich des Vertreters der neonazistischen NPD eingeladen, der dann zusammen mit bekannten offenen Neofaschisten an der Veranstaltung teilnahm. Hiergegen hatten immer wieder Demokraten und Antifaschisten protestiert. Um Protesten gegen die militaristisch-nationalistischer Glorifizierung zu entgehen, fand diese offizielle Veranstaltung zum Volkstrauertag erstmals nicht mehr im öffentlichen Raum am Siegfrieddenkmal statt, sondern wich auf den katholischen Friedhof aus.

Als Alternative hierzu gedachten am 18. November, dem Volkstrauertag, ca. 25 Menschen am Denkmal im Casinogarten, darunter junge Antifaschisten vom linken Niederrhein, die Falken aus Schwalmtal, Vertreter der Linkspartei in Viersen, der VVN-BdA Krefeld und der DKP aus dem Kreis Viersen und aus Krefeld. Das bronzene Ehrenmal für die Opfer des Faschismus des ungarischen Bildhauers Professor Zoltan Székessy aus dem Jahre 1957 stellt lebensgroß ein junges Mädchen dar, dass in der rechten Hand einen nur reliefartig wiedergegebenen Eichenzweig als Symbol des Friedens hält. Der Sockel trägt die Widmung: Den Opfern des Unrechts und der Gewalt.

Kränze der Linkspartei und der Stadt ViersenDie Linkspartei Viersen legte ein Blumengesteck mit einer Schleife „Zum Gedenken der Opfer des Faschismus“ nieder. Auch die Stadt Viersen hatte am Denkmal mit einen Kranz dem Volkstrauertag 2012 gedacht. Das verdient unsere Anerkennung.

Der Initiator der Veranstaltung, Franz Lohbusch von der Linkspartei, sprach in seiner Ansprache für eine lebendige Erinnerung an die Verbrechen des Faschismus, damit wir auch heute eine breite gesellschaftliche Grundlage für die Wachsamkeit gegenüber solchen Entwicklungen behalten. Katja Heintges, aus Viersen, Mitglied der Ratsfraktion DIE LINKE im Viersener Stadtrat erinnerte an den Holocaust, und an die christliche Verpflichtung, aktiv gegen solche menschenverachtenden Verbrechen einzutreten. Der Vertreter der Schwalmtaler Falken stellte kurz die Geschichte des Denkmals dar, das damals vom sozialdemokratischen Bürgermeister gegen den Willen vieler rechtslastiger Bürger durchgesetzt worden war. Er beklagte, dass sich oft auch heute noch der Geist des Nationalismus, Revanchismus und Militarismus in altbekannter Nazi-Ausprägung hinter der gutbürgerlichen Fassade verberge, was bis zur offenen Zusammenarbeit etwa der ostpreußischen Landsmannschaft mit offenen Neonazis ginge. Thomas Mehner von der DKP machte darauf aufmerksam, dass Faschismus ein Problem der bürgerlichen Mitte ist, dass die braune Ideologie wie Antisemitismus, Antidemokratismus, Antikommunismus, aggressiver Imperialismus, Rassismus und wahnhaftes Herrenmenschentum keine Erfindung der Nazis sind, sondern auch heute noch etablierte bürgerliche Ideologie, die schon im 19. und frühen 20. Jahrhundert entwickelt worden waren und denen die Nazis nur die offen terroristische Unterdrückung jeder demokratischen Gegenwehr nach innen hinzufügten. Auch heute würde diese menschenverachtende Ideologie und sie vertretende Gruppen immer noch mit Staatsunterstützung aufgebaut und am Leben erhalten, diese Entwicklung müssten wir aktiv bekämpfen.

Die Veranstaltung soll regelmäßig stattfinden und der Auftakt für eine weitere antifaschistische Zusammenarbeit in der Region sein. Wir werden dabei sein.