Die IHK Mittlerer Niederrhein als Propagandist für Leiharbeit

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Krefeld, 17.07.2013

Die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein - zuständig für die Städte und Kreise Krefeld, Mönchengladbach, Viersen und Neuss - führt derzeit eine "Befragung zur Zeitarbeit bei potentiellen Kunden von Zeitarbeitsunternehmen" durch.IHK mach Propaganda für Leiharbeit

"Na und - was solls?" - könnte man fragen. Darüber sollten sich vielleicht die Unternehmen aufregen, wenn Geld für so etwas verpulvert wird. Interessant wird es, wenn ein zweiter Blick auf den Fragebogen offen legt, worum es wirklich geht:

Schon im Anschreiben wird erklärt, das "die Debatte über diese für die Gesamtwirtschaft sehr wichtige Branche auf eine fundierte und sachliche Basis" gestellt werden soll und dies "gerade in diesem Sommer von Interesse [sei], da durch die anstehende Bundestagswahl Dynamik in die Diskussion über die Zeitarbeit kommen dürfte". Übersetzt von IHK-Demagogie in eine Sprache für Menschen, die Interesse an vernünftiger Arbeit und Leben haben, heisst das also: "Wir wollen Propaganda für Leiharbeit machen".

Glanzpunkt sind die Fragen 11 und 12. Dort wird gefragt, wie die Unternehmen auf eine "nach der Bundestagswahl" möglicherweise eingeführte Verpflichtung reagieren würden, für gleiche Arbeit gleichen Lohn zahlen zu müssen. Als Reaktionsmöglichkeiten steht die Reduzierung von Zeitarbeit zur Auswahl. Sonst nichts. Gewählt werden kann, ob reduziert wird, wenn die Verpflichtung zur gleichen Bezahlung bereits ab dem ersten Überlassungstag, ab dem dritten, sechsten oder zwölften Überlassungsmonat gelten sollte, oder auch gar nicht. Noch schöner dann die Frage 12, nach den Konsequenzen, die bei Einführung eines allgemeinen Mindestlohns in Höhe von 8,50 € gezogen würden. Als mögliche Optionen durch die IHK vorgegeben mag das Unternehmen wahlweise die Zeitarbeit bei Hilfsarbeitern oder bei Fachkräften reduzieren, es mag keine solche Anpassung vornehmen oder es mag - hier zeigt sich die Denk- und Vorstellungswelt unseres "Sozialpartners" - verstärkt auf Werkverträge zurückgreifen. Die Option, Menschen einzustellen unter Bedingungen, die den Beschäftigten ein sicheres und auskömmliches Leben ermöglichen, diese Option existiert für die IHK (zumindest auf deren Fragebogen) also nicht mehr.

Da wage ich die folgende Vorhersage: Passend zur Bundestagswahl werden wir Artikel in der Presse erleben, in denen "die Wirtschaft" die segensreiche Bedeutung der Leiharbeit für "unser Land" betont und vor "unverantwortlichen Reglementierungen" warnt. Wetten?

Aber noch etwas anderes kann ich auch garantieren: Wir Kommunistinnen und Kommunisten werden weiterhin - wie in der Erklärung unseres letzten Parteitags - Leiharbeit als Angriff auf alle Werktätigen verstehen und für diese Forderung eintreten:

Das Verbot von Leih- und Zeitarbeit, von Befristungen sowie Werkverträgen zugunsten von Normalarbeitsverhältnissen. (aus "Antworten der DKP auf die Krise")

Das wäre doch vielleicht ein Thema, das unsere Gewerkschaftsvertreter im Rahmen des Bündnisses "Zukunft durch Industrie-Initiative Krefeld" mit ihren "Partnern" von der IHK erörtern könnten. Oder geht es dort um andere Interessen?

Bettina, Mönchengladbach-Eicken