Ein Mann mit Courage vertritt seine Interessen

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Krefeld, 12. Februar 2013

Dr. Stefan Dresely, Vizepräsident der IHK Mittlerer Niederrhein freut sich. Denn er hat in einer Umfrage seine IHK herausfinden lassen: "Ein Großteil der Befragten bewertet die Bedeutung der Industrie für den Standort als ausgesprochen positiv." (IHK magazin, Febr. 2013, Editorial "Keine Angst vor der eigenen Courage") Aber er sorgt sich auch, denn wenn es konkreter wird, "deuten die Ergebnisse allerdings auf eine diffuse Skepsis gegenüber industriellen Projekten hin". Dr. Stefan Dresely ist aber weder jemand, dem es droht, zur Reduzierung von Lohnkosten und "Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit" von seinem fürsorglichen Arbeitgeber demnächst auf die Straße geschmissen zu werden, noch ist er jemand, der gezwungen ist, in gesundheitsgefährdender Nähe so mancher "industrieller Projekte" zu leben. Und doch ist seine Sorge verständlich. Fritz ter Meer beim I.G.Farben-Prozess in Nürnberg

Dr. Stefan Dresely ist nämlich Leiter des Bayer-Chemparks in Krefeld-Uerdingen. Und als solcher hat er ein Interesse an Projekte wie dem (gescheiterten) Vorhaben, dort ein neues Kohlekraftwerk bauen zu lassen oder dem (leider immer noch nicht gescheiterten) Versuch, hochgiftiges Kohlenmonoxid per Pipeline vorbei an Wohngebieten von Dormagen nach Uerdingen zu pumpen.

Soweit - so verständlich. Nur leider für Dr. Dresely und seinesgleichen beruht die Idee einer (auch bürgerlichen) Demokratie auf der Annahme, die weit über 100.000 Menschen, die mit ihrer Unterschrift gegen die CO-Pipeline ihre angeblich "diffuse Skepsis" zum Ausdruck brachten, hätten 100.000 mal so viel Stimmen, wie Dr. Dresely. Und wenn diese übergroße Mehrheit der Menschen ihre Interessen ernst nehmen und Vorrang gegenüber den Interessen der kleinen Gruppe von Monopolkapitalisten (und ihrer Vortänzer) einräumen würden, dann wäre es vorbei mit der Rolle, die Dr. Dresely noch spielen kann.

Und weil er und seinesgleichen so etwas nun gar nicht wollen, schreibt Dr. Dresely: "Die Unternehmen sind gefordert, bei den Bürgern für mehr Akzeptanz zu werben." Und er lobt in dieser Hinsicht, die "im Schulterschluss mit Gewerkschaften, Verwaltungen und Verbänden" arbeitenden Initiativen "Zukunft durch Industrie". Weil es aber auf Dauer schwierig ist, zu begründen, warum die Interessen von einigen tausend Vertretern des Monopolkapitals wichtiger wären, als die Interessen von vielen Millionen anderer Menschen, zieht Dr. Dresely die Karte, die bereits die Nazis im dazu passenden Repertoire an Ideologie hatten: Das "Allgemeinwohl" ist diese Trumpfkarte und es war eine zentrale Aufgabe der Nazis, sicherzustellen, dass dieses "Allgemeinwohl" so definiert wurde, dass mit ihm die Interessen des Kapitals an Ausbeutung und Profit, an Unterwerfung und Ausplünderung anderer Völker zur Durchsetzung kamen und nicht die Interessen der Millionen nach Frieden und Arbeit. Wo ist der Unterschied, wenn die Nazis hierzu "Gemeinnutz geht vor Eigennutz" propagierten oder wenn Dr. Dresely diktiert: "Die Medien stehen in der Pflicht, bei der Berichterstattung über kontrovers diskutierte Projekte das Allgemeinwohl nicht aus den Augen zu verlieren."? Es geht Dr. Dresely ebenso wie seinen Vorgängern im I.G.Farben-Konzern darum, die eigenen Klasseninteressen durchzusetzen - koste es was es wolle (nur nicht zu Lasten der Profite des Monopolkapitals). Darum fordert Dr. Dresely von "Politik und Verwaltung", sie "sollen sich für wichtige Projekte stark machen und die Konflikte mit einzelnen Interessengruppen nicht scheuen."  Solche Haltung vertrat bereits sein Vorgänger Fritz ter Meer, Vorstand der I.G. Farben AG und in Nürnberg verurteilter Kriegsverbrecher. Auch dieser ließ "die Politik" seine Klasseninteressen durchboxen - im "Konflikt" gegen die Arbeiterklasse und anderer "Interessengruppen".

Ist Dr. Stefan Dresely wegen seines Anspruchs, seine Klasseninteressen - verkleidet als "Allgemeinwohl" - auch bei "Konflikten mit einzelnen Interessengruppen" durchzusetzen, ein Faschist? Nein - das ist Dr. Dresely nicht! Er ist Chef des Bayer-Chemparks, Leiter des Geschäftsfelds Sicherheit bei der Currenta GmbH und Vizepräsident der IHK Mittlerer Niederrhein. Mehr nicht.

Jürgen, Krefeld