Die Pressefreiheit

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Viersen, 05. April 2012

Der sozialistischen Sowjetunion wird nachgesagt, in ihr wären missliebige Personen geschichtsklitternd aus älteren Fotografien herausretuschiert worden. Wie gut, dass es in unserer freien Medienlandschaft solche Dummheiten nicht gibt! Oder vielleicht doch? ARD Programm ohne Margot Honecker

In der ARD wurde am Montagabend die Dokumentation "Der Sturz – Honeckers Ende" ausgestrahlt. Nicht, dass diese Anstalt des öffentlichen Rechts etwa wirklich über die Errungenschaften des ersten deutschen Staates, von dem nie ein Krieg ausging, berichten wollte - aber der Regisseur, Eric Friedler, machte den "Fehler", die in Chile lebende Margot Honecker zu Wort kommen zu lassen. Und diese Genossin entsprach offenbar nicht den Erwartungen. Friedler in einem Interview zu seiner Dokumentation: "Sie ist überzeugte Sozialistin, sie spricht sehr eloquent, sie ist sehr klar und kompromisslos." Und wegen dieser Ausschnitte in seinem Film, weil eine überzeugte Sozialistin in die Vorstellungswelt der Propagandisten der herrschenden Meinung genausowenig passt, wie eine sich um die Sonne drehende Erde in die Köpfe mittelalterlicher Inquisitoren, deswegen jault und hetzt die bürgerliche Presse nun über die "verknöcherte Alt-Sozialistin" (Focus), die "alte, starrsinnige Frau" (BILD) und hat eine "Riesenwut nach TV-Doku über Margot Honecker" (Welt).

Es wäre lohnenswert, das Interview aufmerksam zu hören. Aber zumindest in der ARD-Mediathek wird das nicht gehen. Für deren Macher wurde die Programmzeit von 20:15 bis 22:30 Uhr am Montagabend mit der 45-minütigen Dokumentation über die letzten Wildpferde vollständig ausgefüllt. Die Dokumentation mit dem Interview mit Margot Honecker wurde wegretuschiert. (siehe Bild)

Mir ist neben dem Interview das Schlusswort des ARD-Films im Gedächtnis geblieben: Das kam vom alterwürdigen Wehrmachtsoffizier, Sozialdemokrat und Atomrakentenaufsteller Helmut Schmidt. Mit einer Verbissenheit, die entlarvend die ganzen wahnhafte Bemühungen darstellt, mit der die Erinnerung an 40 Jahre Sozialismus in Deutschland ausradiert werden soll, prophezeit Schmidt, in 20-30 Jahren würde keiner mehr sich an Erich Honecker erinnern.

Ich habe ganz gelassen keinen Zweifel daran, dass Menschen in Deutschland und in anderen Ländern dieser Welt sich an die Errungenschaften der DDR und auch an Erich und Margot Honecker erinnern werden, wenn sie an deren positiven und negativen Erfahrungen anknüpfend, erneut den Weg gehen, den überholten Kapitalismus durch einen dringend notwendigen Sozialismus abzulösen. Ich würde mich freuen, wenn Helmut Schmidt das noch erleben dürfte. Vermutlich wird er aber dann das Schicksal der Asche seiner letzten Zigarette geteilt haben.

PS: Wer sich nicht ausschliesslich von den Produkten der bürgerlichen MeinungsBILDnern seine Informationen liefern lassen will, findet hier eine Auswahl an anderen Quellen.

PPS: Wer vielleicht eine andere Quelle gefunden hat, wo das Interview nicht - wie bei der ARD - verschwunden ist, kann uns gerne darauf hinweisen.

Heinrich, Viersen