Schlecker hat keine Systemrelevanz

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Mönchengladbach, 31. März 2012

Dr. Rainer Kambeck vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung hat gestern in der Tagesschau festgestellt, Schlecker-Erben auf Titel des manager-magazins 2010 daß Schlecker nicht systemrelevant ist und es deswegen keine öffentliche Bürgschaft für eine Transfergesellschaft geben soll. Die liberalen Zyniker, die auf gut bezahlten Stellen sitzen und deren Aufgabe die Produktion der ideologische Verkleisterung in dieser kapitalistischen Gesellschaft ist, sagen manchmal aus Versehen auch etwas Richtiges: Für das System des von großen Monopolen beherrschten Kapitalismus in der Bundesrepublik ist die Unterstützung der Mitarbeiterinnen dieses Unternehmens ohne jede Relevanz. Selbst die Unterstützung eines einzelnen Kapitalistenclans, der sich jahrzehntelang an der Ausbeutung der Arbeitskraft der Verkäuferinnen bereichert hat, ist irrelevant. Relevant ist aber die Absicherung der unverschämten Profite der großen Monopolbanken. Denn das System des Monopolkapitalismus besteht darin, daß die ständige Vermehrung seines Profits sicher gestellt wird.

Was der Wirtschaftswissenschaftler Kambeck und seine ganze Propagandabranche aber nicht verstehen, ist, worum es den 99% der Menschen in Deutschland geht, deren Interessen von dieser Branche nicht vertreten werden: Die Mitarbeiterinnen von Schlecker waren nicht interessiert an der Sicherung der Profite "ihres" Kapitalisten. Sie sind nicht daran interessiert, ob es genügend profitable Anlagemöglichkeit für Kapital gibt. Sie haben keins sondern müssen ihre Arbeitskraft verkaufen, um leben zu können und an dieser Gesellschaft teilnehmen zu können.

Was die Branche der neoliberalen Gesundbeter des Kapitalismus, die in Deutschland die Lehrstühle für Wirtschaftswissenschaft besetzen nicht erkennen wollen, können Marxisten ganz einfach beschreiben: a) Nicht Schlecker sollte gerettet werden sondern die Arbeiterinnen und Arbeiter bei Schlecker sollten vor der sofortigen Arbeitslosigkeit geschützt werden. b) Ob Schlecker erfolgversprechender verkauft werden kann, wenn es mit Hilfe einer Transfergesellschaft kein "Erbe" von Kündigungsschutzklagen gibt (und das dann eine Benachteiligung der konkurrierenden Kapitalisten darstellt) oder nicht, ist nicht unser Problem und interessiert die Verkäuferinnen einen Scheissdreck. Wenn dies das einzige Problem wäre, dann enteignet sie alle zusammen nach Art.14 Grundgesetz! c) Es geht auch nicht darum, die Schlecker-Arbeitsplätze mit ihren Niedriglöhnen, Überwachungsskandalen und Gewerkschaftsfeindlichkeit zu behalten. Aber für diese Zustände waren doch nicht die Verkäuferinnen verantwortlich, sondern "ihre" Kapitalisten. Hätten nicht die Kapital-Eigentümer sondern die Beschäftigten das Sagen gehabt, wären nicht nur diese Zustände verhindert worden sondern wohl auch noch die Pleite!

Der Kapitalismus hat sich nochmal durchgesetzt. Die Rechte der Kapitalbesitzer sind in diesem System relevant und nicht die Bedürfnisse der Menschen. Wir können und wir haben daraus zu lernen, daß wir gemeinsam kämpfen müssen, um jede einzelne Verbesserung unserer Lebensbedingungen und schliesslich darum, ein System zu schaffen, bei dem die Interessen der Menschen das einzig relevante Kriterium sind. Wir verstehen darunter Sozialismus!

Bettina, Mönchengladbach-Eicken