zum Internationalen Frauentag

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Krefeld, 08. März 2012

Der Internationale Frauentag (IFT) ist ein Kind der Arbeiterbewegung. Es war die spätere Mitgründerin der KPD, Clara Zetkin, die 1910 auf einer Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz die Forderung nach diesem Tag einbrachte. Und es war die Zweite Konferenz Kommunistischer Frauen, die 1921 erstmals den 8. März als Internationalen Frauentag festlegte.

Von den Faschisten wurde der IFT 1933 verboten und statt dessen der Muttertag als offizieller Feiertag begangen. Werbung eines Blumenhändlers am IFT Dieser Tradition folgte denn auch nach 1945 die Bundesrepublik während in der DDR seit 1946 wieder der 8. März als Internationaler Frauentag gefeiert wurde.

Heute wird versucht, auch den Internationale Frauentag in die wohlbehüteten Schranken der bürgerlichen, kapitalistischen Gesellschaft zu integrieren. Den (männlichen und weiblichen) Schreibern der bürgerlichen Presse ist die Frage des Anteils von Frauen in Aufsichtsräten von Unternehmen meist ein wichtigeres Thema als die um 21% niedrigere durchschnittliche Bezahlung. Dass ersteres zwar auch ein Anzeichen für die herrschenden Zustände ist, stimmt. Aber 99% der Frauen wird keinen Vorteil darin haben, wenn sich (nur) das ändert.

Den Unterschied - aber auch den Zusammenhang - von bürgerlicher und sozialistischer Frauenbewegung erklärte Clara Zetkin schon 1899:

„Die Persönlichkeit entwickelt sich, lebt und webt inmitten bestimmter sozialer Verhältnisse, deren Bann nur vereinzelte Kraftnaturen zu brechen vermögen. Mag die Unrast in der fragenden, suchenden Frauenseele noch so hohe Wogen treiben; mag das Drängen und Streben nach freiem, weiblichen Vollmenschentum ein noch so glühendes sein: Die Macht des Sehnens und Wollens bricht sich für die meisten Frauen an den sozialen Schranken, welche heute noch weiblicher Entwickelung und weiblichem Wirken gezogen sind. Diese Schranken gilt es zu schleifen, soll die Frau Entwicklungs- und Bewegungsfreiheit für ihr Vollmenschentum erringen. Jede ernste Frauenbewegung muß deshalb soziale Kampfesbewegung sein. Während die proletarische Frauenbewegung in erster Linie zum Klassenkampf gegen die kapitalistische Gesellschaftsordnung gezwungen ist, muß die bürgerliche Frauenbewegung einen Klassenkampf führen gegen die sozialen Vorrechte und die soziale Herrscherstellung des männlichen Geschlechts. Denn die soziale Unterbürtigkeit des weiblichen Geschlechts ist es, welche der bürgerlichen Frau die Freiheit der Entwickelung und des Auslebens verwehrt. Der Proletarierin dagegen wird ihr freies Menschentum durch die Klassenherrschaft der Bourgeoisie vorenthalten, durch die Ausbeutung und soziale Unterbürtigkeit, welche auf der Arbeiterklasse lasten. Wohl bedarf auch die Proletarierin der sozialen Gleichberechtigung als Geschlechtswesen, aber vor allem zu dem Zwecke, mit aller Wucht gegen die kapitalistische Ordnung kämpfen zu können. Ihre soziale Befreiung erringt sie nicht wie die bürgerliche Frau und zusammen mit ihr im Kampfe gegen den Mann ihrer Klasse, sie erobert sie vielmehr zusammen mit dem Mann ihrer Klasse im Kampfe gegen die sogenannte bürgerliche Gesellschaft, das Gros der Damen der Bourgeoisie davon nicht ausgenommen.” (aus Clara Zetkin: Der Student und das Weib, 1899, abgedruckt in Marxistische Blätter 3/1995)

Jürgen, Krefeld



Kommentare 

 
#1 2012-03-08 13:50
Dank an Clara Zetkin. Das schützt vor den Verirrungen eines bürgerlichen Feminismus, der - ganz biologistisch-sexistisch - die Frauenbewegung auf den Geschlechterkam pf reduzieren will, um nicht die sozialen und ökonomischen Ursachen des Problems verstehen zu müssen, oder sich gar so weit versteigt (wie etwa Alice Schwarzer), es als Gipfel der Emanzipation zu betrachten, wenn sich Frauen nun auch bei der Bundeswehr von (männlichen) Vorgesetzten zusammenbrüllen lassen dürfen und für Kriegseinsätze in aller Welt ausgebildet werden. So einen "Fortschritt" braucht kein Mensch.