Aurel Billstein

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken

Am 12. Februar 1996 verschied unser Genosse Aurel Billstein.

Aurel war gelernter Schlosser und bereits in früher Jugend in der Arbeiterbewegung aktiv. Bereits seine Eltern und Großeltern waren überzeugte Sozialisten. 1920 und 1923 beteiligte er sich aktiv an Streikbewegungen bei denen es um die Wiedereinstellung entlassener Betriebsräte und den Acht-Stunden-Tag ging. 1924 trat er mit seiner ganzen Familie von der SPD zur KPD über und von 1931 bis 1933 war er KPD-Stadtverordneter in Krefeld.1933 kandidierte er für die KPD zum Landtag. Nach der Machtergreifung der Nazis wurde er gleich verhaftet und ins KZ überstellt. Im KZ Sonnenburg hatte er Kontakt mit Carl von Ossietzky und Erich Mühsam, den er später beschrieb, als "ein alter, zäher Mann, der jede Nacht von den Nazis brutal zusammengeschlagen wurde". Aus dem KZ im September 1933 entlassen, nahm er wieder Kontakt zur Untergrund-KPD auf und war dann sozusagen der zweite Mann am Niederrhein, der organisatorische Leiter. Im Juni 1934 wurde er dann mit weiteren 25 Leuten verhaftet. Mit vorgehaltener Pistole war er am Arbeitsamt empfangen worden und in der alten Husarenkaserne in Krefeld, dem damaligen Gefängnis, wurde er im Keller - vor der ersten Vernehmung - mit einer Nilpferdpeitsche zusammengeschlagen. Er kam ins Zuchthaus und wurde später in das berüchtigte Strafbataillon 999 gesteckt. Dort gelang es ihm im April 1945 zu fliehen und er kam in sowjetische Kriegsgefangenschaft. 1947 zurückgekommen beteiligte er sich sofort wieder an der Arbeit der KPD und war Parteisekretär in Krefeld, Verlagleiter einer Parteizeitung und von 1948 bis 1952 wieder KPD-Stadtverordneter in Krefeld. Auch gewerkschaftlich war er aktiv und ab 1961 Betriebsratsvorsitzender und bis 1972 Mitglied der IGM-Ortsverwaltung Krefeld. Im Rentenalter begann er damit systematisch die Krefelder Geschichte der Nazi-Zeit aufzuarbeiten. Die gewonnenen Informationen faßte er in zwei Büchern und 11 Broschüren zusammen, die vor allem in Krefeld weit verbreitet wurden. Weiter Broschüren existieren als Script. Seine Konzeption war es, den ganzen antifaschistischen Widerstand in seiner Breite und Alltäglichkeit darzustellen, um so dem zu entgehen was er "Heldenverehrung" nannte, da man Helden nicht nachfolgen kann. Für diese Arbeit wurde er u.a. 1990 von der Stadt Krefeld zum Krefelder Ehrenbürger ernannt. Die im Frühjahr 2000 beantragte Benennung einer Straße in "Aurel-Billstein-Weg" wurde jedoch mit der CDU-Mehrheit in der zuständigen Bezirksvertretung abgelehnt.

 

Aurel Billstein (4. von rechts, obere Reihe) im KZ Sonnenburg
Aurel Billstein (4. von rechts, obere Reihe) im KZ Sonnenburg