Schreie in Mönchengladbach

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Mönchengladbach, 26.09.2012

1000 neue Jobs in Mönchengladbach - so lautet die frohe Botschaft, die gestern verkündet wurde.Zalando Im Einklang feiern sich der Landes-Wirtschaftsminister Duin, der Gladbacher Oberbürgermeister Bude, der Leiter der Arbeitsagentur Mönchengladbach, Schmitz und die Wirtschaftsförderungsgesellschaften von Land und Stadt.

Dem Onlinehändler Zalando wurde die Errichtung eines Logistikzentrums im Gewerbegebiet Güdderath schmackhaft gemacht. Und dort sollen im nächsten Jahr 1000 Arbeitsstellen anfallen. Doch bei den Lobgesängen auf den umschmeichelten Investor wird die Frage, was für Stellen dort geschaffen werden, ob die Menschen, die dort arbeiten "dürfen", von ihrer Arbeit leben können und unter welchen Bedingungen dort gearbeitet werden soll, zum Schweigen gebracht.

Im Sommer berichtete das ZDF über die Arbeitsbedingungen beim bereits bestehenden Logistikzentrum von Zalando in Brandenburg: 7,01€ Stundenlohn, siebeneinhalb Stunden arbeiten ohne sitzen zu dürfen, unhaltbare hygienische Bedingungen, ständige Überwachung und Kontrollen - so sehen die Jobs aus, die Mitarbeiter des ZDF als Undercover-Arbeiter bei Zalando vorgefunden haben.

"Schrei vor Unglück!", "Nicht empfehlenswert", "Kein schöner Job" und "Hire and Fire Mentalität, Finger weg!" - das sind die Kommentare, die Kolleginnen und Kollegen, die bei Zalando arbeiten "durften" ihren potentiellen Leidensgenossen hinterlassen. (Quelle: kununu)

Prof. Gerhard Bosch vom Institut für Arbeit und Qualifikation der Uni Essen/Duisburg beurteilte die Arbeitsbedingungen bei Zalando als "zum Teil nicht menschenwürdig" und deutete auch den Grund an, warum solche Bedingungen keine Ausnahmen sondern Prinzip sind: "Die Geschäftsmodelle dieser Unternehmen basieren auf niedrigen Löhnen." Gleichzeitig gibt Zalando knapp 10 Millionen Euro für Werbung aus - jeden Monat!

Die IHK Mittlerer Niederrhein lobt als Standortfaktor die hohe Arbeitslosigkeit als "lokale Verfügbarkeit von Arbeitskräften" (siehe unser Bericht hier). Diese wird von der Arbeitsagentur damit beantwortet werden, Arbeitslose den Arbeitskraftverwertern von Zalando unter der Drohung der Leistungskürzung zu jeder Bedingung zur Verfügung zu stellen.

Es ist zu befürchten, dass die versprochenen 1000 neue Jobs in Mönchengladbach für die Menschen kein Grund sein werden, vor Freude zu schreien. Und es ist im Wortsinn not-wendig, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter gemeinsam mit ihren Gewerkschaften dafür kämpfen, lebenswerte Arbeitsbedingungen zu erreichen! Wir werden gerne dabei unterstützen.

Bettina, Mönchengladbach-Eicken