Der 2. März 1945 war nicht voraussetzungslos

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Befreiung vom FaschismusDie Befreiung unserer Stadt durch amerikanische Truppen hat eine Vorgeschichte.

Als am 02.03.1945 amerikanische Truppen in Krefeld von Westen bis zum Rhein vorstießen, waren die Faschisten hier in Krefeld militärisch geschlagen. Auch wenn bei vielen Krefelderinnen und Krefeldern “Gefühle wie Angst, Unsicherheit und Sorge überwogen”, wie Jens Voss in der RP vom 26.02. schreibt, wurde unsere Stadt und Ihre Bürgerinnen und Bürger von der faschistischen Barbarei befreit.

Damit wurde die grundsätzliche Voraussetzung für einen demokratischen und friedlichen Neuanfang geschaffen, der dann aber im Westen bereits in den Kinderschuhen stecken blieb. Bestes Beispiel sind der letzte faschistische Oberbürgermeister unserer Stadt, Aloys Heuyng und der NSDAP-Kreisleiter Krefeld, Erich Distelkamp, die sich beide frühzeitig abgesetzt hatten und beide als 82 jährige wohlsituierte Bürger starben. Heuyng 1973 ausgestattet mit einer Pension, die er für seine Zeit als OB bekam.

Vordergründig erschienen hier im Westen, die anglo-amerikanischen, kanadischen und französischen Truppen als die Befreier. Aber wenn man sich die Geschichte genauer ansieht, hat man den Eindruck, dass sie eigentlich Befreier wieder Willen waren. Denn auch wenn die Antihitlerkoalition bereits seit 1941 bestand, wurde viele Zusagen Englands und der USA nicht eingehalten. Eine zweite Front in Westeuropa wurde erst Mitte 1944 mit der Landung der alliierten Truppen in der Normandie eröffnet, nachdem die Regierungen der Westmächte erkennen mussten, dass die Sowjetarmee nach Ihren Siegen in der Schlacht um Stalingrad im Oktober 1942, der gewonnenen Schlacht am Kursker Bogen Mitte /Ende 1943 und der siegreichen Leningrad/Nowgoroder Operation zu Beginn des Jahres 1944 in der Lage sein würden, ganz Europa vom Faschismus zu befreien. Der Traum der reaktionärsten Kräfte des US-Finanzkapitals, den der spätere USPräsident Truman im Juni 1941 auf die Formel gebracht hatte: “Wenn wir sehen, dass Deutschland gewinnt, sollten wir Russland helfen und wenn Russland gewinnt, sollten wir Deutschland helfen, damit sich auf diese Art und Weise soviel als möglich gegenseitig töten.” war ausgeträumt und die realistisch denkenden Kräfte der Antihitlerkoalition konnten sich durchsetzen. Hatte sich die Hoffnung auf die Liquidierung der SU schon nicht erfüllt (“Wir haben das falsche Schwein geschlachtet!” W. Churchill), so sollte doch wenigstens Westeuropa, vor allem das industrielle Zentrum Deutschlands, unter imperialistischer Kontrolle verbleiben.

Aber selbst nach der alliierten Landung in der Normandie benötigten die Westmächte die militärische Unterstützung der Roten Armee, die durch ihren unaufhaltsamen Durchbruch in Richtung Berlin die faschistischen Kräfte zwangen Truppen aus dem Westen in den Osten zu verlegen und so den alliierten Truppen den Ausbruch aus den blockierten Landungsräumen und den Übergang zum feldzugsentscheidenden Bewegungskrieg in Frankreich zu ermöglichen. Die Rote Armee verlegte sogar Anfang 1945 die Offensive in Richtung des oberschlesischen Industriegebiets und Breslau vor, um die Westmächte in den Ardennenkämpfen zu entlasten. Aber auch hier verharrten die anglo-amerikanischen und kanadischen Truppen bis Ende Februar 1945 weitgehend untätig an der deutschen Westgrenze und ermöglichten so der faschistischen deutschen Wehrmacht Gerät und Mannschaften aus dem Westen in den Osten zu verlegen und gegen die Sowjetarmee einzusetzen und den Vormarsch der Roten Armee damit zumindest zu verlangsamen.

Natürlich waren hier in unserer Stadt die amerikanischen Truppen die konkreten Befreier, aber ohne den heldenhaften Kampf der Sowjetsoldaten, wäre eine Befreiung unseres Landes, ja auch unserer Stadt vom Faschismus nie und nimmer möglich gewesen.

Das sollten wir immer bedenken, wenn wir die Befreiung unserer Stadt feiern und darum zu diesem Anlass ein lautes: “Dank Euch Ihr Sowjetsoldaten! Spasibo!”

Peter, Willich