Wenn der Senator erzählt...

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Paul Kleinewefers

Krefeld, 1995

90 Jahre ist er jetzt, der "Senator" Paul Kleinewefers. Die Krefelder Presse nahm mehrmals von diesem Geburtstag Notiz, bei dem auch die Botschafter Ungarns, Polens, Tschechiens und der Slowakei mitfeierten, um diesem Krefelder Unternehmer, Ehrensenator der TH Karlsruhe und Chef der Paul-Kleinewefers-Stiftung zu gratulieren.

Vor einigen Jahren wurde in der CDU noch darüber diskutiert Paul Kleinewefers zum Krefelder Ehrenbürger zu machen. Der Vorschlag kam aber nicht durch. Wer ist das nun überhaupt, der "Ehrenmann" Paul Kleinewefers? 1976 hat P. Kleinewefers seine Erinnerungen als Buch unter dem Titel "Jahrgang 1905" herausgegeben. Messen wir ihn an dem, was er selbst geschrieben hat.

Paul Kleinewefers ist Unternehmersohn, studiert und fängt während seiner Studienzeit an, sich für Politik zu interessieren. Im Winter 1928/29 hat er den ersten Kontakt zu NSDAP. Schließlich war er 1932 mit dabei, als Hitler vor dem Düsseldorfer Industrieclub sprach. Es war diese Veranstaltung, die den Nazis zur breiten Unterstützung durch die Industriellen verhalf. P. Kleinewefers wird NSDAP-Mitglied. Er schreibt: "Ich war unter den bekannteren Krefelder Unternehmern und in der sogenannten Gesellschaft zu dieser Zeit der einzige Parteigenosse." So war er vorne an mit dabei, als die Nazis die Macht ergriffen, als die Gewerkschaften verboten wurden und mit der "Deutschen Arbeitsfront" eine Organisationsform entstand, bei der der Betriebschef nach dem "Führerprinzip" zum innerbetrieblichen Diktator bestellt wurde. Aber er fand das ganz gut: "Die Beseitigung der Demokratie und die Einführung des 'Führerprinzips' wurde keineswegs überall als Zwang und Diktatur empfunden, denn es war offensichtlich, wie sehr sich die extreme Demokratie selbst ad absurdum geführt hatte." Ja, auch heute meint er noch: "Diese Organisation der Wirtschaft (Selbstverwaltung) und der einzelnen Betriebe sowie die Arbeitsfront mit dem Treuhänder der Arbeit empfinde ich auch in der Rückschau noch als eine fast ideale Wirtschafts- und Sozialverfassung im Interesse aller."

Der Firma Kleinewefers hat das "III. Reich" sichtbar gutgetan, sie wurde zum Nationalsozialistischen Musterbetrieb" ernannt. Nach Beginn des Krieges erhält die Firma, wie andere auch, sogenannte "Fremdarbeiter" als Arbeitssklaven. In seinem Buch schildert P. Kleinewefers deren Leben als fast schön: "Keineswegs waren die Fremdarbeiter etwa der Willkür des Betriebsführers oder anderer Stellen ausgeliefert." Daß die Wirklichkeit anders war, zeigt auch ein Brief der Fa. Kleinewefers an die Krefelder Gestapo. Überhaupt hatte der Senator ein gutes Verhältnis zur Krefelder Gestapostelle: "Zu Weihnachten hatten sie gelegentlich ein Fäßchen Bier bekommen, so taten sie mir manchen Gefallen, und ich konnte helfen." Auch konnte sich die Fa. Kleinewefers nach Osten ausdehnen, mit einem Betrieb in der besetzten Tschechei.

Überhaupt, der europäische Osten und die deutsche Rolle darin, sind für P. Kleinewefers das Thema. Dazu hat er auch ein Buch mitgeschrieben, Co-Autor ist ein Professor der am Parteiprogramm der "Republikaner" mitgearbeitet hat. Diesem Thema gilt auch seine "Paul- Kleinewefers-Stiftung". Die Resonanz die er damit hat sieht man an seinen Gebusttagsgästen.

Im übrigen ist der Kleinewefers-Sohn Jan Kleinewefers heute Bundesvorsitzender des einflußreichen Unternehmerverbandes der Maschinenbauindustrie. Soviel zum rechten Einfluß im heutigen Deutschland.