Im Schatten des Bayerkreuzes
Krefeld und der BAYER-Konzern
Der
BAYER-Konzern
ist einer der
größten Konzerne der Welt. Die Zentrale des Konzerns
befindet sich in Leverkusen. An fünf Orten im Rheinland
- Monheim, Wuppertal,
Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen - stehen große
BAYER-Werke bzw. Forschungseinrichtungen; hinzu kommen zusätzliche
Werke von Tochterunternehmen in Köln und
anderen Nachbarorten. Mind. 40 Tsd. Menschen sind in
NRW direkt beim Konzern beschäftigt, etwa die fünffache Zahl
ist über Dienstleistungen und Zulieferarbeiten an den Konzern
gebunden. Schätzungsweise eine Million Menschen in
unserem Bundesland ist direkt oder indirekt in irgendeiner Weise vom
Konzern abhängig.
Krefeld steht im Schatten des BAYER-Kreuzes. Aber nicht nur, weil viele EinwohnerInnen der Stadt ihr Geld bei BAYER direkt oder bei Tochterunternehmen, Zulieferern und Dienstleistern des Konzerns verdienen. Die Stadt hat noch in vielfach anderer, in der Regel höchst gefährlicher Hinsicht mit BAYER zu tun.
Krefeld trinkt BAYER-Gifte
An erster Stelle ist das Trinkwasser der Stadt zu nennen. Aus dem Hahn fließt in der Stadt, was BAYER in Leverkusen verseucht. Und das geht so: BAYER pumpt für seine Produktion in den Werken Leverkusen, Wuppertal und Dormagen Grundwasser allerbester Qualität aus dem Boden. Und zwar in einer Menge, die mehr als 13 Millionen Menschen bequem versorgen könnte. Dieses Wasser wird in der Produktion mit hochgefährlichen Stoffen aller Art verseucht. Teilweise wird dieses Wasser in werkseigenen Kläranlagen aufbereitet, insgesamt geht es aber mehr oder weniger verseucht über die Wupper oder direkt in den Rhein. Viele gefährliche Stoffe können selbst mit allerbester Klärtechnologie nicht wieder aus dem Wasser herausgeholt werden. Und so kommen dann diese BAYER-Gifte bei uns aus dem Wasserhahn. Manchmal ist die Situation derart bedrohlich, dass die Rheinwasserwerke ihre Pumpen abstellen und ihrerseits bereits vielfach gegen BAYER protestiert haben.
Das BAYER-Werk ist explosiv
Doch es drohen auch Gefahren noch tödlicherer Art. Die Gefahr, dass die Krefelder Bevölkerung bei einer Katastrophe in Mitleidenschaft gezogen wird, ist sehr hoch. Eine Studie des TÜV-Rheinland hat ergeben, dass beispielsweise bei einem Phosgen-Unfall im BAYER-Werk Leverkusen innerhalb der ersten zehn Sekunden nach dem Unfall jedes Lebewesen im Umkreis von einhundert Metern augenblicklich getötet würde. Innerhalb einer halben Stunde wäre in einem Areal von 1,7 Quadratkilometern jeder Mensch einer Dosis ausgesetzt, die bei jedem Zweiten zum Tode führt. In der zweiten, sogenannten B-Zone, einem Gebiet von 6,75 Quadratkilometern wären die Bewohner einer Dosisbelastung ausgesetzt, die zumindest im Einzelfall bereits zum Tode eines Menschen geführt hat. Die Folgen für Krefeld wären Tote und Verletzte in großem Maßstab. Dabei ist die Katastrophen-Gefahr in den BAYER-Werken sehr hoch. Die Rheinschiene ist Erdbeben-Gebiet und außerdem liegt das Bayer-Werk in der Einflugschneise des Flughafens. Es muss nicht erst so weit kommen wie in Remscheid, als in den 80er Jahren eine Militärmaschine mitten in die Stadt knallte, es kann jederzeit auch ein ziviles Flugzeug ins Werk stürzen.
Hochgefährliche Gefahrguttransporte
Die Gefahr, dass die Bevölkerung Krefelds Schaden nimmt, wird weiter dadurch erhöht, dass die Stadt nicht nur von Autobahnen umgeben ist, sondern diese auch die Stadt durchqueren. Darüber hinaus quert der Rhein als Groß-Verkehrsader die Stadt. Hinzu kommt schließlich der Schienenverkehr, der ebenfalls die Stadt kreuzt. Auf all diesen Verkehrstraversen sind in Massen die Gefahrgüter, unterwegs, die der Konzern für die Aufrechterhaltung seiner Großproduktionen benötigt. Dieser Verkehr bringt immer wieder Unfälle mit sich, ein Großunfall kann leicht in eine tödliche Katastrophe münden.
Den Armen nehmen und den Reichen geben
Können sich die Menschen dieser Stadt die genannten Probleme noch relativ leicht vorstellen, so weiß aber m mit Sicherheit kaum jemand, dass die Gesetzgebung, die die Konzerne immer reicher macht und die Kommunen in den bankrott treibt, von BAYER stammt. Es war BAYER-Steuerexperte Zitzelsberger, der 1998 in das Finanzministerium wechselte und dort die entsprechenden, für die Konzerne höchstprofitablen Gesetze schrieb. Für die BürgerInnen bedeuteten sie Mehrbelastung, für die Kommunen den drohenden Zusammenbruch der Finanzen. Der ehemalige BAYER-Vorstandschef Dr. Manfred Schneider antwortete auf der Aktionärshauptversammlung 2001 auf die Frage, wie es angehen kann, dass der BAYER-Mann Zitzelsberger im Bundesfinanzministerium die Steuergesetze schreibt: "Wir haben unseren besten Mann entsandt, er wird es für uns regeln."
Bittere Pillen und goldene Bilanzen
Und mehr noch: Die Bevölkerung Krefelds hat - wie alle EinwohnerInnen Deutschlands - unter der Zerschlagung des Gesundheitssystems zu leiden. Nicht wenige nützliche Medikamente, sondern eine immer weiter steigende Flut unnützer Präparate; Pillen im Wert von wenigen Cent werden für Hunderte von Euros verkauft; immer weitere Auslagerung von Medikamenten aus der Regie der Ärzte und Kassen in den freiverkäuflichen Bereich; Aushöhlung des Kassen- und Krankenhaussystems - all das entspringt den strategischen Plänen der Pharma-Konzerne wie BAYER. Sowohl die CDU-Regierung unter Kohl, als auch die SPD unter Schroeder versuchten mit einer sogenannten „Positiv-Liste" die zigtausend Medikamente auf die wenigen Hundert sinnvoller und nützlicher Medikamente zu beschränken. Sie scheiterten beide am erbitterten Widerstand der Pharma-Konzerne, vorneweg des BAYER-Konzerns. Die Geldbeutel der PatientInnen werden belastet, die Konzernprofite steigen. Und die Gesundheit bleibt auf der Strecke. Es gibt Schätzungen, nach denen beispielsweise bis zu 20% der Krankenhausbetten durch Erkrankungen aufgrund von Medikamenten-Nebenwirkungen blockiert sind.
Umweltgifte, Chemiestoffe und Gentechnik machen krank
Doch nicht nur unnütze Medikamente machen krank, die versuechte Umwelt macht noch kränker. Die Bevölkerung ist den BAYER-Chemikalien in großem Stil ausgesetzt. Schadstoffe gelangen über die Luft, die Nahrung und die Produkte in den Körper. Es gibt kaum einen Bereich mehr, in dem sich nicht BAYER-Gifte finden. Besonders bekannt wurden die Skandale um die hochgefährlichen Weichmacher und Holzgifte. Da macht auch Krefeld keine Ausnahme.
Steuerung von Politik, Forschung und Lehre
Damit das alles reibungslos klappt, hat BAYER gut „investiert". Wer zahlt, bestimmt die Musi - so das Sprichwort. Entsprechend finden sich BAYER -Angehörige in allen politischen Fraktionen und gesellschaftlich relevanten Organisationen - bis hin zu den Kirchenleitungen. Darunter viele Personen aus dem Management, die gewollt oder ungewollt Konzern-Interessen vertreten. In allen Parteien finden sich Abgesandte des Konzerns - egal ob in den Stadt- und Gemeinderäten der Standorte oder im Landtag in Düsseldorf. Zugleich übt der Konzern aufgrund seiner Wirtschaftsmacht in vielfältiger Weise starken Einfluss auf alle Ministerien und den Ministerpräsidenten selbst aus. Und auch an den Universitäten und in den Forschungseinrichtungen steht jede Menge Personal direkt oder indirekt auf den Lohnlisten von BAYER.
Arbeitslosigkeit
Und wenn wir schließlich
über Arbeitslosigkeit und Hartz IV sprechen, dann landen wir bei
genauerem Hinsehen auch wieder bei BAYER. Der Konzern ist einer der
größten Arbeitgeber
in der Region. In einer Riege mit Eon und RWE. Entsprechend hängt
es von BAYER ab, ob die Arbeitslosigkeit steigt oder fällt, ob die
Ausbildungsplätze zu- oder abnehmen. Seit
nunmehr zehn Jahren werden bei BAYERE Arbeits- und
Ausbildungsplätze im großen Stil vernichtet.
Worunter die Bevölkerung und die zigtausenden BAYER-Beschäftigten und an BAYER angebundenen Menschen zu leiden haben, ist die grenzenlose Gier der Kapitaleigner des Konzerns nach Gewinn und Profit. Ca. 400.000 AktionärInnen besitzen BAYER. Darunter viele Werksangehörige. Doch der Witz an der Sache ist, dass lediglich einige wenige Hundert AktionärInnen 80 und Mehr Prozent des BAYER-Kapitals in Höhe von derzeit ca. 3,6 Milliarden Euro besitzen. Der Rest hat Minianteile von wenigen Hundert oder wenigen Tausend Euro im Depot. Und der Knüller bei der Sache ist: BAYER hat seit der großen Wirtschaftskrise in den 20er Jahren nie wieder Verluste gemacht. Selbst die sogenannte Krise 2003/2004 mit der Abspaltung von Lanxess war ein einziger Betrug mit dem die Konzernprofite weiter gesteigert wurden: Der Konzern hat sich vorübergehend rot gerechnet, aber nur auf dem Papier. Bereits ein Vierteljahr später war ein neuer Höchstrekord angesagt. Dabei sind die heutigen Rekordprofite durchaus mit denen vergleichbar, die BAYER bzw. IG FARBEN zu Zeiten des Hitlerfaschismus einfuhren.
BAYER-Macht sofort beschneiden
Alles in allem: Krefeld steht
im Schatten des BAYER-Kreuzes. Die DKP tritt ein für die sofortige
Beschneidung der Macht dieses Großkonzerns, der wie ein Krake die
Geschicke der
Menschen steuert - und zwar stets zu ihrem Nachteil und zum Vorteil der
Konzernprofite. Konzerne wie BAYER müssen enteignet und unter
demokratische Kontrolle gestellt werden.
Nur das kann die politischen Probleme lösen und die Voraussetzung
auch zur Lösung der ökologischen und anderen Probleme
schaffen.